Schrumpft der Windpark Markgrafenwald weiter?

Waldbrunn. Nachdem die Investoren im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung im Juli (wir berichteten) auf zwei der ursprünglich 14 geplanten Windkraftanlagen (WKA) im Markgrafenwald nahe Mülben verzichteten und so den Waldbrunner Ortsteil entlasteten, zeigte sich nun bei der neuerlichen Beratung zur „Punktuellen Änderung der frühzeitigen Offenlegung im Gemeinderat der Winterhauchgemeinde, dass aufgrund einer sogenannten Platzrunde im Zusammenhang mit dem Segelflugplatz des Luftsportvereins Hoher Odenwald, möglicherweise zwei weitere Anlagen, an den Standorten 11 und 12, nicht realisiert werden können. Nur wenn in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe die südliche Platzrunde – ein standardisiertes An- und Abflugverfahren für Flüge nach Sichtflugregeln für sichere Starts und Landungen – aufgehoben wird und die genannten Anlagen um ca. 40 Meter in Richtung Nordosten verschoben werden können, lassen sich die derzeit geplante zwölf Windkraftanlagen wie projektiert errichten, ließ Diplom-Ingenieur Jürgen Glaser die überraschten Gemeinderäte und Zuhörer wissen.

Doch bevor die Ingenieure Jürgen Glaser und Walter Simon die eingegangenen Stellungnahmen der Behörden, sonstigen Träger öffentlicher Belange, Nachbarkommunen und Bürger punktuell vorstellten und die jeweiligen Behandlungsvorschläge aufzeigten, nahm die Bürgerfragestunde breiten Raum ein. Einmal mehr bot Bürgermeister Markus Haas den Windparkkritikern und –gegner Gelegenheit, ihre Befürchtungen vorzutragen. Allerdings wurde von deren Seite bemängelt, dass die Unterlagen nicht früher zur Verfügung gestanden hätten. So ließe sich das Transparenzversprechen des Gemeindeoberhaupts nicht einlösen. Immerhin hätte man nur wenige Tage Zeit gehabt, um die Dokumente, die Haas wie angekündigt auf der Gemeinde-Homepage einstellen ließ, zu prüfen. Der Verwaltungschef betonte jedoch, dass man die meisten Punkte bereits in der Dezembersitzung vorgetragen habe.

Da der Gemeinderat darüber hinaus keine Entscheidung fälle, sondern lediglich eine Empfehlung für den Gemeindeverwaltungsverband Neckargerach-Waldbrunn beschließe, sei bei der Offenlage noch Gelegenheit für Einwände.

Hauptkritikpunkt in der Bürgerfragestunde war die Zuwegung zu den Standorten. Hierfür müsse entlang des Mülbener Sees eine 5-6,5m breite als Schneise bezeichnete Zuwegung erfolgen, die dazu beitrage, eines der wenigen Waldbrunner Biotope zu zerstören.

Einmal mehr beschäftigte sich der Gemeinderat Waldbrunn mit der Errichtung des Windparks im Markgrafenwald. Zu Beginn hatten erneut die Windkraftgegner viel Raum, um Kritikpunkte vorzutragen. Dabei ging es um eine fünf bis sechs Meter breiten Zuwegung entlang des Mülbener Sees. Hier befürchten Kritiker, dass ein Biotop verloren geht. Da die „Schneise“ durch ein Hauptwandergebiet gehe, müsse auch der Tourismus mit negativen Folgen rechnen, so die Kritiker weiter.

Um den Zeitplan für die Gemeinderatssitzung einzuhalten machte Bürgermeister Markus Haas den kritischen Bürgern weitere Gesprächsangebote. Diese Möglichkeit sei aber bisher trotz mehrfacher Wiederholung vonseiten der Windkraftgegner nicht angenommen worden, bedauerte Haas.

Anschließend gingen die Jürgen Glaser und Walter Simon auf einige der wichtigsten Stellungnahmen von Behörden, Träger öffentlicher Belange, Nachbarkommunen und Bürger ein, die im Rahmen der frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung in der Zeit vom 04. November bis 04. Dezember 2013 vorgebracht wurden.




Dabei wurde erstmals vom möglichen Wegfall der Anlagen 11 und 12 aufgrund des Flugplatzes Mülben thematisiert. Nur wenn das Regierungspräsidium die südliche Platzrunde aufhebt, lassen sich die genannten WKA um etwa 40 Meter verschieben. Ansonsten müsse nach den Anlagen 13 und 14 auf zwei weitere Standorte verzichtet werden, sodass nur noch zehn Windräder im Markgrafenwald realisiert werden können, so Jürgen Glaser. Weiter hob er hervor, dass es für die punktuelle Änderung der Flächennutzungsplans für die Errichtung von zehn WKA vonseiten der Metropolregion keine Bedenken gibt, da sich das Vorhaben mit dem Einheitlichen Regionalplan decke. Der vom NABU Waldbrunn vorgebrachte Einwand zum Thema „Artenschutz“ mit einem möglichen Schwarzstorchvorkommen wurde von Glaser und Simon ebenfalls dargestellt. Man habe von Carsten Rode, einem anerkannten Experten für diese Vogelart, 27 potenzielle Horste untersuchen, bisher aber keine Hinweise auf ein Vorkommen gefunden. In den nächsten Monaten soll dies aber weiter untersucht werden. Bedenken hinsichtlich eines fehlenden Brandschutzkonzepts, wie von einigen Bürgern vorgebracht, seien nicht Gegenstand des Flächennutzungsplans, müssen aber später in Bauanträgen berücksichtigt werden, so Glaser. Der Planer zeigte darüber hinaus auf, dass die vonseiten der Initiative Hoher Odenwald (IHO) genannte dauerhafte Waldverlust durch Rodungen von 30-40 Hektar sei völlig überhöht. So gingen lediglich drei Hektar dauerhaft und ein Hektar Wald temporär verloren, stellte Glaser die Tatsachen vor.

Abschließend ließen sowohl die Planer als auch Bürgermeister Markus Haas die Gemeinderäte sowie die Bürger wissen, dass nach dem Beschluss der Änderung des FNP durch den Gemeindeverwaltungsverband eine Offenlage erfolgt, bei der erneut Einwendungen und weitere Kritikpunkt eingebracht werden können.

Nach den Stellungnahmen der Fraktionssprechern stimmten 17 Gemeinderäte dafür dem Gemeindeverwaltungsverband die punktuelle Änderung des FNP für die Errichtung von Windkraftanlagen zu empfehlen und die Freigabe des Planentwurfs, des Umwelt- und Artenschutzberichts sowie weiterer Gutachten für die Ausweisung von zehn bzw. acht Sonderbauflächen für WKA. Fünf Kommunalpolitiker stimmten gegen die Empfehlung.

In zwei folgenden Tagesordnungspunkten stimmte das Gremium diversen Bausachen bzw. Baugenehmigungen im Ortsteil Strümpfelbrunn zu. Danach informierte Bürgermeister Markus Haas das Kommunalparlament über die anstehende Reform des Grundbuchwesens, das nach dem Willen des Landes künftig in Tauberbischofsheim geführt werden soll.

Unter dem Punkt „Verschiedenes“ erfuhren die Gemeinderäte, dass das Jugendhaus an der Katzenbuckel-Therme aufgrund baulicher Mängel und geringer Resonanz derzeit geschlossen ist. Bauamtsleiter Martin Grimm zeigte auf, dass die Kneippanlage im Ortsteil Schollbrunn einer grundlegenden Sanierung bedarf. Dies ließe sich allerdings nicht mehr bis zum 650-jährigen Jubiläum im Juni realisieren. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 25-30.000 Euro. Dieser Betrag ist laut Kämmerer Joachim Gornik in den kommenden Haushalt eingestellt. Diese Information rief den Unmut von Ortsvorsteher Peter Ihrig hervor, der anmerkte, dass in Mülben beispielsweise am Bürgerhaus Handlungs- und Investitionsbedarf bestehe. Während man nun über die Sanierung einer Kneippanlage diskutiere, schaue man zu, dass die Bausubstanz leide.

Da es lediglich um eine Kurzinformation ging, war nichts zu beschließen, sodass Bürgermeister Markus Haas zum letzten Tagesordnungspunkt überging und die Protokolle einer nicht-öffentlichen Sitzung des Gemeinderats bekanntgab. Demnach hatte sich das Gremium im Januar unter anderem mit der Neuverpachtung des Restaurants in der Katzenbuckel-Therme befasst.

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3 Kommentare
  1. sinaloe sagt

    Die WKA 13 und 14 stellt sich jetzt heraus wären nie genehmigungsfähig gewesen !! Hier wurde ein angeblicher Bonus herausgehandelt der gar keiner war . Ein Planungsbüro sollte das schon wissen hier wurden die Bürger aufs Glatteis geführt und Sie haben hier in ihrem Artikel nicht den Mut dies klar zustellen. Selbst einige Gemeinderäte waren in der Sitzung schon darüber direkt verärgert. Weiterhin wird hier nicht
    erwähnt das Gemeinderäte sich über die Ausgleichsmaßnahmen beschwert haben. Die finden alle seltsamerweise in Zwingenberg statt , wir Bürger hier in Waldbrunn sind betroffen und nicht Zwingenberg !!
    Hier sollten die Ausgleismaßnahmen statt finden.Ihr Argument war das in Waldbrunn in der Kürze der Zeit nicht bewerkstelligen zu können das ist ein weiterer Schlag ins Gesicht der Waldbrunner Bürger !!! Auch die genaue Zuwegung ist immer noch nicht aufgezeigt worden . In einer Gemeinderatssitzung wird über eine Dacheindeckung gesprochen aber eine elementar für die Bürger wichtige Industrietrassentrasse die ein großes Wander und Erholungsgebiet zerstört wird gerade mal so “ lapidar durchgewunken “ Das zeigt was hier die Bürger wert sind . Verloren haben doch mittlerweile Alle schon hier , kommt dieser gigantische Industriepark werden viele hinterher sagen oh wenn wir das gewußt hätten wie das aussieht damit müssen wir jetzt Jahrzehnte leben, kommt der Park nicht haben Investoren und Gemeinde samt BM ihr Gesicht verloren , einziges Schlupfloch evtl. der Schwarzstorch, dann werden sich alle bisherigen Windlobbyisten und Investoren als Naturschützer feiern lassen das sie den Industriepark zu Gunsten unserer schönen Natur bereit waren zu opfern ….

    1. jh sagt

      Es toll, dass immer jeder weiß, wie man besser berichtet, aber NIE einer bereit ist, es auch zu tun.

  2. df sagt

    Anmerkung zu:
    „Der Planer zeigte darüber hinaus auf, dass die vonseiten der Initiative Hoher Odenwald (IHO) genannte dauerhafte Waldverlust durch Rodungen von 30-40 Hektar völlig überhöht sei. So gingen lediglich drei Hektar dauerhaft und ein Hektar Wald temporär verloren, stellte Glaser die Tatsachen vor.“
    Die IHO hat den Rechenfehler bereits am 1. Dez. 2013 offiziell korrigiert!: „Ergänzungen zur Stellungnahme im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung nach § 3 Abs. 1 BauGB zum Flächennutzungsplan Vorhaben „Windkraft“ und „Windpark Markgrafenwald“, auf S. 3:
    „Korrektur des Rechenfehlers in unserer ersten Stellungnahme: laut BImSchG-Genehmigungsantrag würden rein rechnerisch „nur“ 3,5 bzw. 4, 2 ha Wald gerodet. Ein “Windpark” wie der im Markgrafenwald lässt sich aber nicht in seine Einzelstandorte aufteilen, so als wäre zwischen den 200 m hohen Maschinen und ihren im Durchmesser 117 Meter messenden Rotoren noch ein naturnaher Wald wahrnehmbar“.
    Den offiziell korrigierten Rechenfehler nach zwei Monaten als Argument gegen die IHO anbringen zu müssen, zeigt dass die ergänzende Stellungnahme von Gemeinde oder Planern nicht gelesen bzw. ignoriert wurde oder nur schadenfrohe Gehässigkeit als Charakterschwäche.

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