90 Jahre Ev. Kirchenchor Strümpfelbrunn

Fünf Waldbrunner Kirchenchöre feiern mit dem Evangelischen Kirchenchor Strümpfelbrunn-Mülben dessen 90-jähriges Bestehen. (Foto: Hofherr)

Strümpfelbrunn.  Mit einem einzigartigen Kirchenchor-Konzert feierten die Sängerinnen und Sänger des Ev. Kirchenchors Strümpfelbrunn-Mülben das 90-jährige Bestehen, ihrer Gemeinschaft.

Offiziell gegründet wurde der Chor im Jahr 1929 durch den damaligen Pfarrer Wilhelm Iber. Dieser ging auch als erster Dirigent in die von Chorhistoriker Otmar Glaser erforschte Geschichte der Singgemeinschaft ein. Aus kirchlichen Unterlagen geht jedoch hervor, dass die Gemeinde und die Gottesdienste bereits Jahre zuvor von Sängerinnen und Sängern bereichert wurden. So wurde auch anlässlich der Einweihung der evangelischen Kirche in Strümpfelbrunn von einem Kirchenchor berichtet, der im Kriegsjahr 1917 für die musikalische Umrahmung der Einweihung verantwortlich war. Allerdings finden sich in den Archiven keine Belege aus denen Informationen über den Jubiläumschor hervorgehen.

Daher ist aus den Gründerjahren wenig bekannt. Schwierige Jahre brachen für die Sängerinnen und Sänger mit der Nazi-Diktatur ab 1933 an. Tiefpunkt waren die Kriegsjahre von 1939 bis zur Befreiung vom Nationalsozialismus im Jahr 1945. Aus dieser Zeitspanne ist über das Vereinsleben wenig bekannt. Die Archive belegen lediglich, dass Mitglieder, die an den Überfällen der deutschen Truppen auf zahlreiche europäische Länder beteiligt sein mussten, sondern in Strümpfelbrunn und Mülben lebten, bei den Beerdigungen ihrer im Krieg getöteten Chorfreunde aktiv waren im an die Gefallenen zu gedenken.

Die Leitung übernahm noch im Gründungsjahr Oberlehrer Alfred Carrier, der mit den Mitgliedern bis 1936 Kirchenmusik erarbeitete. Allerdings stellte Otmar Glaser fest, dass in dieser Zeit keine regelmäßigen Singstunden stattfanden. Es folgte Hauptlehrer Brauß, der bis 1938 den Takt und die Noten vorgab. Es folgte mit Pfarrerin Nessler, die erste Frau am Dirigentenpult. Weiter ging es mit Hans Dörr, Johanna Ihrig und ab 1957 bis 1960 mit Ludwig Schmitt und dessen Ehefrau. Anschließend übernahmen Frl. Fink (1962/63) und Frl. Sexauer (1963/64).

Dank Gemeindepfarrer Ottfried Ohngemach mit Dirigent Andreas Nagel wurde der Chor aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Damit begann im Jahr 1968 eine bis heute lebendige Singgemeinschaft.
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1973 begann die „segensreiche Ära“ von Dirigent Wolfgang Spohr, der den Evangelischen Kirchenchor Strümpfelbrunn-Mülben mit seinem ganz besonderen Humor sehr erfolgreich leitete. Neben der Erarbeitung von kirchlichen Liedern machte sich Spohr auch um den Zusammenhalt der Sängerinnen und Sänger verdient, organisierte er doch bis heute legendäre Ausflüge.

Seit den 90-er Jahren bereichern die Sängerinnen und Sänger die evangelischen Gottesdienste mit Liedvorträgen. Auch andere Gemeindeveranstaltungen wie Konfirmationen, Jubelkonfirmationen und vieles mehr, sind ohne die Beiträge der Hobbykünstlerinnen und -künstler nicht vorstellbar.

Weitere Chorleiter waren Karin Conrath (1992-1995), Ursula Danquard (1995-2006) und Alexander Lenz, der den Chor von seiner früh verstorbenen Vorgängerin im Jahr 2006 übernahm. „Anstrengend bis stressig“, charakterisierte Andreas Steck die Arbeit mit den Sängerinnen und Sängern bei dessen Verabschiedung im vergangenen Jahr (wir berichtete). Noch als Jugendlicher übernahm er den Evangelischen Kirchenchor. Unter der „genialen Fuchtel eines Chor-Novizen“, so Singkreis-Obfrau Gisela Scheithauer, erlebte das Repertoire der Gemeinschaft einen künstlerischen Aufschwung. Daher übernahm der aktuelle Dirigent Tobias Henrich einen lebendigen, 31 Personen starken Kirchenchor, der aus dem Gemeindeleben nicht wegzudenken ist.

Wichtig ist der Gemeinschaft die Ökumene, die durch eine enge Partnerschaft mit dem Katholischen Kirchenchor St. Maria Waldbrunn gelebt wird. Ein weiterer Höhepunkt der Chor-Kooperationen war das Konzert der evangelischen Kirchenchöre Waldbrunns zum 500-jährigen Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Das Singen im großen, gemeinsamen Chor war für alle Sängerinnen und Sänger eine besondere Erfahrung, heißt es in einer kleinen Festschrift zum 90-jährigen Jubiläum.

Es gab aber nicht nur künstlerische Entwicklungen, auch organisatorisch mussten stets weitere Herausforderungen bewältigt werden. So wurde 1976 eine Chorsatzung sowie eine organisatorische Leitung mit Obfrau/-mann, Stellvertreter, Schriftführer und vier Beisitzern aus den einzelnen Stimmgruppen. Derzeit begleitet Susanne Wirtz das Amt der Obfrau.

Zum Geburtstag hatte sich der Jubiläumschor die anderen Waldbrunner Kirchenchöre zu einem in dieser Form bisher einmaligen Konzert eingeladen. Das Motto des musikalischen Leckerbissens lautete „Wo Musik ist, da kann nichts Böses sein!“, ließen die Moderatorinnen des Abends, Susanne Wirtz und Lisa-Maria Springer.

Den Auftakt gestalteten die Gastgeber mit Singkreis und Kirchenchor mit dem Lied „Stimmt an ein Lob dem Herrn“: Im weiteren Verlauf erlebten die Zuhörer die ganze Bandbreite kirchlicher bzw. geistlicher Musik. So spannte der Jubelchor den Bogen von modernen Stücken wie „Gloria in excelsis Deo (Calypso) von Emily Crocker über „Herr, wohin sonst sollten wir gehen“ von Thea Eichholz-Müller bis hin zu „Jauchzet Gott in allen Landen“, einem Lied von Johann Sebastian Bach.

Auch der Katholische Kirchenchor beeindruckte unter Leitung von Annedore Müller mit Tradition und Moderne und trug Lieder von Georg Friedrich Händel und Hanne Haller vor. Es folgten die Evangelischen Kirchenchöre Oberdielbach, der von Andrea Henrich dirigiert wurde, und Waldkatzenbach mit Silke Bornmann am Dirigentenpult. Mit beiden Chören habe man zur Freude aller Sängerinnen und Sänger bereits gemeinsam musiziert, berichteten die Moderatorinnen.

Mit dem kleinsten Chor ging es dann weiter. Der Evangelische Singkreis Strümpfelbrunn unter der Leitung von Tobias Henrich begeisterte die Zuhörer insbesondere mit dem Stück „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel in einem Arrangement von Markus Detterbeck. Danach gab sich erneut der Jubiläumschor die Ehre, der zunächst alleine und dann mit dem Singkreis musizierte.

Die Höhepunkte hatten sich die Programmplaner bis zum Schluss aufgehoben. Zunächst sangen alle Chöre gemeinsam das Lied „Unser Gott hat uns geschaffen“ bevor bei den „Irischen Segenswünschen“ auch das Publikum mitsingen durfte. Natürlich feierte das Publikum alle Sängerinnen und Sänger mit frenetischem Beifall und dem Wunsch nach einer Zugabe. Dieser Bitte kamen die Akteure des Abends natürlich gerne nach.
Bevor die Feier im Gemeindehaus ihre Fortsetzung fand, erhielten die Chorleiterinnen und -leiter sowie die Obfrauen bzw. -männer ein Präsent.

Der nächste Höhepunkt der Jubiläumsfeier folgte am Sonntagmorgen. Im Rahmen des Gottesdienstes ehrten Pfarrer Jonathan Richter und Chorobfrau Susanne Wirtz Sängerinnen und Sänger für ihr langjähriges Engagement.
Seit zehn Jahren verstärkt Reiner Springer den Bass. Für 55-jähriges Singen im Chor wurden Helga Böckenhaupt (Alt), Gisela Scheithauer (Sopran) und Margot Schmitt (Sopran) ausgezeichnet. Seit 60 Jahren singt Hannelore Spohr (Alt) im Jubelchor. Sogar für ihre 65-jährige Treue wurde Hilde Wieland (Sopran) ausgezeichnet und mit vielen Glück- und Segenswünschen bedacht.

Eröffnet wurde das gefeierte Konzert von den Hausherren. Unter der Leitung von Tobias Henrich „stimmen“ Singkreis und Kirchenchor „an ein Lob des Herrn“. (Foto: Hofherr)


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