Bürgermeister Haas in Zeiten von Corona

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(Foto: Gemeinde Waldbrunn)
Waldbrunn. Seit mehreren Wochen hat sich das Leben der Menschen weltweit massiv verändert. Die Schließung von Schulen, Kindergärten, Dienstleistern, Unternehmen, Verwaltungen, die Bedrohung der Gesundheit, des Lebens und vieles mehr, wirkt sich bis in die kleinsten Odenwald-Dörfer aus. Auch Waldbrunn ist selbstverständlich von den vielen Regelungen rund um das Corona-Virus betroffen. Während die Leitlinien von der Bundesregierung in Berlin und den Landesregierungen beschlossen werden, sind es die Verwaltungen vor Ort, die Allgemeinverfügungen erlassen und die Regelungen kontrollieren müssen. Daher ist auch die Gemeindeverwaltung im Übergangs-Rathaus in Schollbrunn Tag für Tag, an sieben Tagen die Woche, von der Corona-Pandemie gefordert.

Wie sich für Bürgermeister Markus Haas das Leben als Verwaltungschef und Gemeindeoberhaupt sowie die Arbeit des Gemeindepersonals verändert hat, haben wir in einem schriftlich geführten Interview erfahren.

KP/NZ: Wie sieht momentan der Alltag eines BM aus?
Bürgermeister Markus Haas: Der Alltag hat sich komplett gewandelt. Wir haben die Arbeitsweise im Rathaus geändert und die Räumlichkeiten grundsätzlich für den Publikumsverkehr geschlossen. Bei Bedarf müssen sich Bürger telefonisch anmelden. Das meiste läuft jetzt über Telefon oder Email; Vorort-Termine werden auf ein Minimum beschränkt. Dennoch muss die Verwaltung handlungsfähig sein und bleiben. Unsere Baumaßnahmen und Planungen laufen weiter, aber eben eingeschränkt. Zum normalen Arbeitsanfall kommt eben jetzt noch die Krisenbewältigung dazu. Anfragen von Geschäften zur Auslegung der Corona-Verordnung und existenzielle Sorgen, Anfragen von Eltern zur Notbetreuung der Kinder und vieles mehr.

 KP/NZ: Hat Waldbrunn einen Krisenstab? Wer gehört dem an? Wie oft tagt er?
BM Haas: Ein Krisenstab im klassischen Sinn haben wir nicht, aber dem „kleinen Stab“ gehören neben mir die Hauptamtsleiterin Andrea Friedl-Wäsch und Kämmerer Joachim Gornik an. In einem überschaubaren Rathaus brauchen wir auch keine fixen Termine, sondern wir tauschen uns lagebedingt aus.

 KP/NZ: Wie können Bürger ihre Angelegenheiten im Rathaus regeln?
BM Haas: Per Email und Telefon sind wir immer erreichbar. Sollte eine persönliche Vorsprachen nötig sein, ist vorab mit dem jeweiligen Sachbearbeiter ein Termin zu vereinbaren. Wir versuchen soweit wie möglich und vertretbar die Dienste aufrecht zu erhalten. Es kann aber auch passieren, dass die Ausgabe von Dokumenten durchs Fenster erfolgt. Auch Trauungen werden weiter durchgeführt, allerdings nur noch in ganz kleinem Rahmen.

 KP/NZ: Arbeitet die Verwaltung normal? Oder auch im Home Office?
BM Haas: Die Verwaltung arbeitet normal, wenn man das bei der Lage überhaupt sagen kann. Home Office scheidet aus. Aber selbstverständlich haben wir auch Regeln für den Umgang der Mitarbeiter untereinander, der auf ein Minimum beschränkt werden soll. Besprechungen finden unter Einhaltung der Abstandsregelungen statt. Die Einhaltung von Hygienemaßnahmen ist ebenfalls gewährleistet. 

 KP/NZ: Wie lange kann die Gemeinde ohne Ratsbeschlüsse weitermachen?
BM Haas: Das kann ich derzeit nicht sagen, die jetzige Situation gab es ja bisher noch nicht. Vieles versuche ich mit dem Gemeinderat über „Rund-Mails“ abzuklären. Nur bei den notwendigsten Themen – wie zuletzt bei der Haushaltsbeschlussfassung – werden wir nicht um eine Sitzung herumkommen, dann aber finden die Sitzungen mit ausreichendem Abstand zwischen den Gremiumsmitgliedern statt (wir berichteten).

 KP/NZ: Mit welchen Verlusten rechnete der Kämmerer?
BM Haas: Auch das ist zurzeit noch nicht zu beziffern. Es kommt darauf an, wie lange diese Krise noch andauert und wie sich die wirtschaftliche Lage danach darstellt und entwickelt. Ein Rückgang der Gewerbesteuer ist sehr wahrscheinlich. Greifbarer wird es aber bspw. bei den Gebühren. Durch einen Verzicht auf die Kindergartengebühren für April gehen dem Haushalt über 21.000 Euro verloren. Durch die Schließung der Katzenbuckeltherme fehlen uns auch Einnahmen in Höhe von ca. 50.000 Euro. Die Kosten laufen jedoch größtenteils weiter.

 KP/NZ: Bleiben alle Projekte im Zeitplan und Kostenrahmen? Talstraße, Rathaus, Campus?
BM Haas: Aktuell ja. Es gibt es keine Hinweise auf Verzögerungen oder Kostensteigerungen. Die Firmen auf den Baustellen arbeiten regulär weiter.

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 KP/NZ: Was machen die Erzieherinnen, die keinen Notdienst machen? Werden die Erzieherinnen wie bisher bezahlt?
BM Haas: Es gibt für alle Erzieherinnen, auch die, die nicht in der Notbetreuung eingesetzt sind, eine generelle Präsenzpflicht, wobei sie nicht die komplett vertraglich vereinbarte Arbeitszeit erbringen müssen, da ja Dienstbesprechungen sowie Verfügungszeiten momentan entfallen. Eine Vollzeitkraft mit einer Fünf-Tage-Woche arbeitet derzeit lediglich 32,5 statt 39 Stunden. Das Gehalt wird allerdings zu 100 Prozent ausgezahlt. Mitarbeiterinnen, die nicht in der Notbetreuung eingesetzt sind, übernehmen Aufgaben wie Weiterbildung, Arbeit an der Konzeption der jeweiligen Einrichtung, Reinigung der Spielgeräte, Aktualisierung von Vordrucken und Merkblättern, Aufräumarbeiten etc. Es bleibt abzuwarten wie sich die Lage im Hinblick auf die weitere Schließung der Kindertageseinrichtungen entwickelt. Parallel dazu wird Urlaub und Freizeitausgleich abgewickelt. 

 KP/NZ: Hat die Gemeinde Kurzarbeit angemeldet?
BM Haas: Nein, eine Gemeinde kann keine Kurzarbeit anmelden, zumindest bisher noch nicht. Wir versuchen derzeit Arbeiten vorzuziehen oder das Personal in anderen Bereichen einzusetzen. So führen wir bspw. in der Therme gerade die jährlich notwendige Revision durch. Normalerweise finden diese Arbeiten nach den Pfingstferien statt, während das Bad dazu für zwei Wochen geschlossen wird. Daneben gibt es in Folge der beginnenden Vegetationszeit eine Reihe von gärtnerischen Arbeiten im Umfeld der Therme. Unsere Reinigungskräfte machen Großputz in den Bürgersälen und Feuerwehrgerätehäusern in allen Ortsteilen.

 KP/NZ: Gibt es in Waldbrunn Verstöße gegen die Corona-Regeln?
BM Haas: Bisher ist uns nichts bekannt; und auch aus den Rückmeldungen aus der Bürgerschaft, glaube ich, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Bürger die Einschränkungen, so schwer sie auch sind, mittragen und Verständnis aufbringen.

 KP/NZ: Lieber Herr Bürgermeister Haas, wir danken Ihnen für den Austausch und wünschen Ihnen und allen Gemeindemitarbeiterinnen und -mitarbeitern weiterhin viel Kraft für die Zeit der Corona-Pandemie … und bleiben Sie gesund!


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