Versiegelung von Flächen geht weiter

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Im Baugebiet Hahnenfeld III in Strümpfelbrunn entstehen derzeit 21 Bauplätze, die bereits alle reseviert sind. (Foto: Hofherr)
Waldbrunn. (hof) In der jüngsten Sitzung der Gemeinderats Waldbrunn verkauften die Räte der Winterhauch-Gemeinde mehrere Grundstücke in verschiedenen Ortsteilen.

Doch zunächst ging es darum, weitere Bauplätze für Bauwillige zu schaffen. Nachdem in vorausgegangenen Sitzungen bereits das Baugebiet Auf der Höhe in Mülben, mit 12 Bauplätzen, initiiert worden war, ging es in der aktuellen Sitzung um die Behandlung von Einwendungen, die nach der ersten Offenlage eingegangen sind.

Vonseiten der Anwohner waren diverse Kritikpunkte eingegangen, die teilweise berücksichtigt wurden. So verlegten die Planer der Wendehammer, sodass etwas mehr Abstand zu einem bereits gebauten Wohnhaus erreicht wurde.

Auf der Wiese entstehen 12 Bauplätze

Da im Rahmen der Erschließung und Bebauung eine Wiese abgeräumt und zum Großteil versiegelt wird, wodurch allgemein betrachtet, ein dramatischer Artenschwund einhergeht und infolge des Klimawandels mit vermehrten Starkregenereignissen, Stürmen und Trockenperioden zu rechnen ist, fordert der NABU Waldbrunn bei der Ausweisung neuer Baugebiete die Festschreibung weitergehender Bedingungen für unabdingbar. Gemeindeverwaltung und Gemeinderat seien hier gefordert, wenn sie ihre Verantwortung für die Lebensgrundlagen von Mensch und Natur ernst nehme, so die Ausführungen der Natur- und Umweltschützer.

Vorort seien insbesondere Maßnahmen zur Bewältigung von Starkregenereignissen und Trockenperioden erforderlich, weshalb der Einbau von Zisternen dringend erforderlich sei. Diese dämpfen den Regenwasserabfluss und überbrücken Trockenzeiten, so die Ausführungen des NABU. Großflächige Dachbegrünungen erhöhen die Sicherheit der anliegenden Immobilien bei heftigen Regenfällen zusätzlich, betont der Verband.

NABU Waldbrunn will Plusenergiehäuser

Zusätzlich fordert der NABU Waldbrunn den Gemeinderat und die Verwaltung auf, den Bebauungsplan dahingehend zu gestalten, dass nur sogenannten Plusenergiehäuser gebaut werden dürfen. Ein solches Haus trage zum Klimaschutz bei und bringe dem Bauherrn den Vorteil, die ständig steigenden Energiekosten nicht zahlen zu müssen.

Der Gemeinderat folgte den Anregungen des NABU Waldbrunn nur in geringem Maße. So werden wasserdurchlässiger Beläge, insektenschonende Beleuchtung vorgeschrieben sowie die Pflanzung heimischer Bäume und Sträucher empfohlen. Darüber sollen Garagen mit Flachdach begrünt und Schottergärten ausgeschlossen werden. Auf die Verpflichtung zum Bau von Zisternen wird ebenso verzichtet wie auf den Bau von Photovoltaikanlagen.

Da im Umfeld des Baugebiets das Vorkommen von Feldlerchen festgestellt wurde, werden diverse Ausgleichs- und Schutzmaßnahmen ergriffen, um den Bestand zu bewahren. Um die Feldlerche und weitere Singvögel zu schützen, beschloss der Gemeinderat den Abschluss eines Öffentlich-rechtlichen Vertrags mit dem Landkreis, der die Anlage einer knapp 3.000 Quadratmeter großen Blühwiese vorsieht. Die eingegangene Einwände und deren Behandlung wurden den Verwaltungsvorschlägen entsprechend ebenfalls einstimmig beschlossen.

Vertrag mit Komm.ONE

In einem weiteren Tagesordnungspunkt beschloss das Gemeinderatsgremium die Vereinheitlichung von Verträgen, Entgelten und Produkten im Rahmen der neuen Benutzungsordnung der Komm.ONE, einer Anstalt des öffentlichen Rechts, die aus der Fusion der drei Zweckverbände KIVBF, KDRS und KIRU mit der Datenzentrale Baden-Württemberg im Jahre 2018 entstand. Ziel der Fusion ist der Erhalt einer wettbewerbs- und zukunftsfähigen kommunalen Informationstechnologie (IT) in ganz Baden-Württemberg. Da die jeweiligen Kommunen unterschiedliche Verträge hatte, muss nun landesweit eine Vereinheitlichung vorgenommen werden. Obwohl die Fusion mit der Nutzung von Synergieeffekten beworben wurde, muss die Gemeinde Waldbrunn künftig 82.000 Euro an Gebühren abführen und damit eine Kostensteigerung von ca. 10.000 Euro/jährlich hinnehmen. Der Beschluss erfolgte dennoch einstimmig.

Elf Bauplätze veräußert

Anschließend vergab der Gemeinderat fünf Bauplätze im Baugebiet „Hahnenfeld III“, in Strümpfelbrunn zum Quadratmeterpreis in Höhe von 137 Euro. Die Bauplätze sind alle rund 600 Quadratmeter groß. Da auch der Ortschaftsrat den Bewerbern zugestimmt hatte, folgten die Gemeinderäte dessen Votum. Insgesamt entstehen in diesem Gebiet 21 neue Bauplätze, von denen bereits alle reserviert sind. Daneben gibt es fünf weitere Interessenten auf einer Warteliste.

Es folgte die Vergabe von zwei Bauplätzen im Gewerbe- und Mischgebiet „Waldbrunner Höhe“, in Oberdielbach, zum Quadratmeterpreis von 53 Euro. Die Plätze sind 1.200 bzw. 2.800 Quadratmeter groß. Auch hier schloss sich der Gemeinderat dem Ortschaftsrat an. Die Erschließung soll bis Ende Mai abgeschlossen sein, sodass anschließend elf neue Bauplätze baureif sind.

Im Baugebiet „Wilhelmstraße-Erweiterung“, in Weisbach, entstehen bei Ende des Monats fünf Bauplätze, zum Quadratmeterpreis in Höhe von 89 Euro. Insgesamt entstehen hier fünf und auf der gegenüberliegenden Straßeseite vier Plätze, die bereits alle reserviert sind. Zwei weitere Interessenten stehen auf einer Warteliste. Auf Empfehlung der Ortschaftsrats verkaufte der Gemeinderat vier Bauplätze, die zwischen 630 bis 910 Quadratmeter groß sind.

Der Gemeinderat beschließt die Satzung zur Aufhebung der Satzung über die Erhebung von Gebühren für die Erstattung von Gutachten durch den Gutachterausschuss der Gemeinde Waldbrunn vom 06.05.1991, in der Fassung vom 01.01.2002.

Waldbrunner Gutachterausschuss aufgelöst

Es folgten Beschlüsse im Zusammenhang mit der Bildung von Gutachterausschüssen in Baufragen. Da die 27 Kommunen im Neckar-Odenwald-Kreis beschlossen haben, künftig nur einen „Gemeinsamen Gutachterausschuss Neckar-Odenwald-Kreis“ zu bilden, musste das bisherige Gremium der Winterhauch-Gemeinde abgewickelt werden. Außerdem war ein Beschluss erforderlich, dem gemeinsamen Ausschuss beizutreten und die entsprechende Satzung zu verabschieden.

Feuerwehren funken bald digital

Da nach Einführung des digitalen Behördenfunks nun auch die Freiwilligen Feuerwehren im Neckar-Odenwald-Kreis und damit auch die Floriansjünger rund um den Katzenbuckel mit entsprechenden Geräten ausgestattet werden müssen, beschloss der Gemeinderat, sich der Ausschreibung zur Beschaffung entsprechender Funkgeräte alle Kreisgemeinden anzuschließen. Dadurch erhofft man sich günstigere Angebote. Für die Abteilungswehren der FFW Waldbrunn werden drei Feststationen in den Feuerwehrgerätehäusern Strümpfelbrunn, Schollbrunn und Waldkatzenbach, sowie acht Fahrzeugfunkgeräte und ein Handfunkgerät ausgeschrieben. Die Beschaffung der benötigten Ausstattung soll bereits in diesem Haushaltsjahr durchgeführt werden, ließ Bürgermeister Markus Haas das Gremium im Zusammenhang mit diesem letzten TOP wissen.

NABU-Petition gegen Flächenfraß

Stoppt den Flächenfraß! | NABU


1 Kommentar
  1. E. Stephan sagt

    Offensichtlich haben manche den Schuss immer noch nicht gehört. An Klimaneutralität, Flächenmanagement und Artenschutz führt kein Weg vorbei – auch wir sind Teil der Natur und gehen, wenn das so weitergeht, gemeinsam mit ihr unter. Je früher man mit Gegenmaßnahmen beginnt, umso eher haben wir die Chance, die Auswirkungen zu begrenzen. Darauf hinzuweisen, dass man bei der Baugebietsausweisung das schon immer so gemacht habe und dass manche andere das auch so machen, ignoriert die Interessen der jüngeren Generationen.
    Dass Ingenieure für Infrastruktur das mitmachen, obwohl sie es besser wissen müssten, ist besonders bedenklich. Nicht auf die Erkenntnisse der Wissenschaft zu hören, hat sich schon immer als fatal erwiesen.
    Auch in den vielen kleinen und großen Waldbrunner Bebauungsplänen der letzten Zeit ist nichts darüber zu finden, Neubaugebiete ernsthaft klimaneutral zu entwickeln. Ein Flächenmanagement zur Minimierung der weiteren Flächenversiegelung wäre auch für Waldbrunn, wie in anderen Kommunen bereits geschehen, dringend erforderlich. Mit dem hier geplanten ökologischen Ausgleich wird kein Quadratmeter an die Natur zurückgegeben. Eine wie geplant, viel kleinere landwirtschaftliche Fläche als das Baugebiet umfasst, nur ökologisch aufzuwerten und dies auch nur zeitlich begrenzt, verhindert nicht den Artenschwund.
    Die Starkregenereignisse als Auswirkung des Klimawandels glaubt man mit der Aufweitung der Abwasserrohre beherrschen zu können. Mit einer Regenwasserversickerung bzw. seiner getrennten Ableitung hätte man die zunehmende Hochwassergefahr etwas entschärft.
    Wir sollten nicht wie Lemminge dem Gruppenzwang erliegen, sondern uns endlich ernsthaft um Alternativen bemühen.
    Ernst Stephan

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