Strümpfelbrunn feiert das ganze Jahr

Festbankett und Familientag zum 675-jährigen Jubiläum

Mit riesigen Strohpuppen kündigt Strümpfelbrunn die Feierlichkeiten zum 675-jährigen Bestehen des Dorf an. (Foto: privat)

Strümpfelbrunn. Im Jahr 1342 wurde der spätere Waldbrunner Ortsteil Strümpfelbrunn erstmals als Strümphilburnen urkundlich erwähnt, weshalb die Dorfgemeinschaft mit gut 1.100 Einwohnern in diesem Jahr gemeinsam mit den Einwohnern der anderen Winterhauch-Dörfer das 675-jährige Jubiläum feiern.

Die drei Schwäne im Ortswappen weisen auf eine Besitzung bzw. Gründung durch die Herren von Zwingenberg. Aufgrund seiner zentralen Lage wurde das Jubiläumsdorf schnell zum Hauptdorf der Dörfer am Katzenbuckel. Die Tatsache, dass schon früh eine Kapelle als Vorgängerin der heutigen katholischen Pfarrkirche St. Maria Waldbrunn – heute zur Seelsorgeeinheit Edith Stein – Neckartal – Hoher Odenwald zählend – errichtet worden war.

Eine besonders wichtiges Datum für die weitere Entwicklung Strümpfelbrunns, war die Verleihung des Privilegs zur Abhaltung eines Jahrmarkts durch Kaiser Karl V. im Jahr 1521. Von diesem Privileg zeigt noch heute die „Alte Marktstraße“, in der heute das Waldbrunner Rathaus steht.

Nach der Blüte infolge des Jahrmarkts, war der 30-Jährige Krieg, der auch die Ortschaften auf dem Winterhauch entvölkerte. So waren in Strümpfelbrunn von 26 Häusern zehn abgebrannt, andere waren nicht bewohnt und die dazugehörigen Ländereien somit nicht bewirtschaftet.

Erst im 18. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl stark an, weshalb man neben einem katholischen Gotteshaus auch die Bau einer evangelischen Kirche plante und im Jahr 1748 in die Tat umsetzte. In den Jahren 1914-16 wurde dann die heutige evangelische Kirche errichtet.



Aber nicht nur Einwohner der beiden christlichen Religionen, auch 27 Familien jüdischen Glaubens lebten im Jahr 1860 in der Gemeinde. Danach geht die Zahl kontinuierlich zurück, bevor die während der nationalsozialistischen Pogromnacht noch verbliebenen fünf Familien aufgrund der antisemitischen Verbrechen auswanderten bzw. in deutschen Todeslagern ermordet wurden.

Ein ebenfalls bedeutendes Ereignis in der Dorfgeschichte war die Teilnahme Paul von Hindenburgs an einem Militärmanöver im Jahr 1901. An diesen Besuch des späteren Reichspräsidenten erinnert die Hindenburgsäule, die 1927 errichtet wurde.

Die Einwohnerverluste während des Zweiten Weltkriegs wurden in der Nachkriegszeit durch den Zuzug von Flüchtlingen aus ehemals deutschen Gebieten in Osteuropa ausgeglichen. Das Wirtschaftswunder in den 50-er und 60-er Jahre sowie die spätere Ansiedlung der Firma Mosca taten das ihre zum Bevölkerungswachstum, sodass Ende 2015 laut Statistischem Landesamt 1.135 Menschen im Jubiläumsdorf leben.

1973 folgte im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform der Zusammenschluss mit Waldkatzenbach, Oberdielbach, Schollbrunn und Weisbach zur Gemeinde Waldbrunn. Zwei Jahre später folgte noch Mülben.

Heute verfügt der Waldbrunner Hauptort über diverse Sehenswürdigkeiten, die im Rathaus präsentiert werden. Auch die Katzenbuckel-Therme steht für viele in Strümpfelbrunn, obwohl alteingesessene Waldbrunner berichten, dass das Gelände ursprünglich zur Gemarkung von Oberdielbach gehört. Salomonisch einig spricht man von der Katzenbuckel-Therme in Waldbrunn. Außerdem gibt es im Jubiläumsdorf das Rathaus der Gemeinde Waldbrunn, mehrere Ärzte, eine Apotheke, Bäckereien, Metzgereien, Bankfilialen, gastronomische Betriebe, Frisöre, Einzelhandelsunternehmen, die Grundschule Waldbrunn, ein Kindergarten, eine Postagentur, Taxiunternehmen und weitere Dienstleistungsunternehmen.

Nachdem Strümpfelbrunn den Jubiläumsauftakt bereits im Januar mit den Schrubbers in der Winterhauch-Halle feierte, steht am Samstag, den 20. Mai, nach der Totenehrung um 18:00 Uhr, ein großes Festbankett auf dem Programm. Ab 19:Uhr werden diverse Redner Ihren Beitrag leisten, bevor Archivar Dr. Rüdiger Lenz den Festvortrag hält. Anschließend wird er eine Jubiläumsschrift vorstellen, an der 36 Autoren mehrere Jahre gearbeitet haben um das Jubiläumsdorf auf 500 Seiten in allen Facetten vorzustellen. Das Buch kann zum Preis von 25 Euro erworben werden. Umrahmt wird der Festakt in der Schulturnhalle vom MGV Strümpfelbrunn und der Feuerwehrkapelle Waldkatzenbach.

Am Sonntag, den 21. Mai, geht es weiter in der Turnhalle. Ab 10:00 Uhr feiert Strümpfelbrunn einen ökumenischen Gottesdienst, bevor zum anschließenden Frühschoppen die Feuerwehrkapelle Waldkatzenbach aufspielt. Um 12:00 Uhr wird das Mittagessen serviert. Um 13:00 Uhr beginnt der Familientag mit einem Theaterstück des Strümpfelbrunner Kindergartens. Um 14:00 Uhr zeigt das Akkordeon-Orchester Eberbach sein Können auf den schwarz-weißen Tasten. Um 15:00 Uhr beginnt ein Unterhaltungsprogramm, das von Grundschülern der Winterhauch-Grundschule präsentiert wird. Nachdem die Luftballons auf ihre möglichst weite Reise geschickt worden sind, klingt das Programm ab 16:00 Uhr mit dem JBO Waldbrunn bei Kaffee und Küchen langsam aus.

Im Juli geht es mit einem historischen Dorffest im Ortskern von Strümpfelbrunn weiter. An diesem Fest beteiligen sich Gruppen und Vereine aus allen Waldbrunner Ortsteilen. Von 21.-23. Juli erwartet die Besucher ein Wochenende mit vielen Höhepunkten, kulinarischen Besonderheiten aus der Region und viel Informelles aus der Historie auf dem Winterhauch – eine detaillierte Ankündigung folgt.

Mit dem Jahresabschlusskonzert mit verschiedenen Chören endet der Festreigen zum 675-jährigen Jubiläum im Dezember.

_Inmitten von frühlingshaft blühenden Wiesen gelegen, findet am 20. und 21. Mai ein Festbankett und ein Familientag statt. (Foto: privat) _


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