Bestattungswald auf dem Winterhauch?

Bürgermeister Markus Haas (re.), Forstbetriebsleiter Pascal Hecht (Mitte) und Revierleiter Ralf Becker (li.) informieren den Gemeinderat. (Foto: pm)

Besondere Waldbegehung des Gemeinderats

Waldbrunn.(pm)

Bei der diesjährigen Waldbegehung des Gemeinderats Waldbrunn standen nicht nur die klassischen Themen einer Waldbegehung wie die Entwicklung des Waldes, der Waldbestand, der Waldzustandsbericht, der Borkenkäfer und damit die Nutzfunktion des Waldes im Mittelpunkt. Vielmehr wurden auch die weiteren Funktionen des Waldes thematisiert und den Teilnehmenden neue Gedanken und Ideen vorgestellt.

Start in Mülben

Bürgermeister Markus Haas begrüßte neben den Gemeinderätinnen und Gemeinderäten sowie den Jagdpächtern auch Revierleiter Ralf Becker und Forstbetriebsleiter Pascal Hecht. Der Start des nachmittäglichen Programms war am Friedhofsparkplatz in Mülben.

Dort stellte Bürgermeister Haas die Idee eines Bestattungswaldes vor. Der im Eigentum der Gemeinde stehende Wald oberhalb des bestehenden Friedhofs könnte sich aus Sicht der Verwaltung grundsätzlich für Urnenbestattungen eignen. Die notwendige Infrastruktur mit ordentlicher Zuwegung, Parkplatz und Aussegnungshalle sei bereits vorhanden. Ortsvorsteher Timo Bachert verwies darauf, dass es diese Idee schon seit längerer Zeit gebe. Mit der Sanierung der Markgrafenstraße und des Parkplatzes seien nun jedoch auch die Rahmenbedingungen stimmig.

Forstbetriebsleiter Pascal Hecht und Revierleiter Ralf Becker erläuterten den notwendigen Genehmigungsprozess. Grundsätzlich sahen sie keine allzu großen Schwierigkeiten, gaben jedoch zu bedenken, dass sich mit einer solchen Einrichtung auch die Verkehrssicherungspflicht verändere. Zudem bestehe ein Bestattungswald über viele Jahre hinweg und müsse entsprechend langfristig betrachtet werden.

Die anwesenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäte zeigten sich der Idee gegenüber positiv aufgeschlossen und baten die Gemeindeverwaltung, das Thema weiterzuverfolgen und über die weiteren Schritte zu informieren.

Mit der Pferdekutsche nach Oberdielbach

Im Anschluss führte die Waldbegehung mit der Pferdekutsche nach Oberdielbach in das Gewann Hardt. Während der Kutschfahrt nutzten Forstbetriebsleiter Hecht und Revierleiter Becker die Gelegenheit, über den aktuellen Zustand des Waldes und die allgemeinen Herausforderungen zu informieren.

Erfreulich sei, dass der Borkenkäferbefall rückläufig sei und sich die Holzpreise insgesamt auf einem guten Niveau bewegten. Gleichwohl machten sie deutlich, dass der Wald weiterhin vor großen Herausforderungen stehe, insbesondere mit Blick auf die Folgen des Klimawandels.

Familienwäldchen als Ort für besondere Lebensereignisse

In Oberdielbach erläuterte Bürgermeister Haas an einem frisch erworbenen Waldgrundstück die Idee eines „Familienwäldchens“. Stand zuvor mit dem Bestattungswald eher die Trauer und das Ende des Lebens im Mittelpunkt, sollten hier nun die freudigen Lebensereignisse eine besondere Bedeutung erhalten.

Auf dem Grundstück soll künftig die Möglichkeit geschaffen werden, beispielsweise anlässlich einer Hochzeit einen Waldbaum als Erinnerung und Dank zu pflanzen. Haas führte aus, dass sich die Linde aufgrund ihres herzförmigen Blattes besonders anbieten würde, man jedoch keine festen Vorgaben machen wolle.

Schmunzelnd ergänzte er, wenn es dem Paar danach sei, könne auch eine Trauerweide gepflanzt werden. Doch nicht nur Hochzeiten könnten Anlass für eine Baumpflanzung sein. Auch Geburten oder weitere besondere Ereignisse wie Konfirmation, Firmung oder Schulabschluss könnten künftig mit einem Baum im Wald verbunden werden.

Revierleiter Becker und Forstbetriebsleiter Hecht erklärten, dass für die Pflanzungen ein oder zwei feste Termine im Jahr angeboten werden könnten. Auch diese Idee wurde von den Gremienmitgliedern wohlwollend aufgenommen. Sie signalisierten ihre Zustimmung zur weiteren Ausgestaltung des Angebots. Bevor es mit der Kutsche zurück zur Katzenbuckel-Therme ging, bat Bürgermeister Haas noch um Namensvorschläge. Der Begriff „Familienwald“ sei zunächst nur als Arbeitstitel zu verstehen.

Waldumbau rund um die Katzenbuckel-Therme

Zurück an der Katzenbuckel-Therme ging Bürgermeister Haas auf die Entwicklung der Anlage unterhalb der Therme ein. In den vergangenen Jahrzehnten sei der dortige Fichtenwald deutlich in die Höhe gewachsen und dichter geworden. Dadurch seien die Anlage unterhalb der Therme sowie deren Liegewiese zunehmend schattiger geworden. Langfristig soll dieser Bereich so umgestaltet werden, dass aus dem bisherigen Fichtenwald ein großzügig angelegter Laubwald mit entsprechenden Abständen entsteht.

Dieses Projekt sei bewusst langfristig angelegt, da ein solcher Waldumbau Jahrzehnte benötige. Gleichzeitig sehe man in der Entwicklung vom dichten Fichtenbestand hin zu einem parkartigen Laubwald eine deutliche Aufwertung des Waldbrunner Zentrums rund um die Katzenbuckeltherme.

Fazit der Waldbegehung

Abschließend dankte Bürgermeister Haas Revierleiter Becker und Forstbetriebsleiter Hecht für ihre Teilnahme und die fachlichen Erläuterungen. Ebenso dankte er den Gemeinderätinnen und Gemeinderäten für das grundsätzlich positive Votum zu den vorgestellten Ideen. Die diesjährige Waldbegehung machte deutlich, dass der Wald in Waldbrunn nicht nur als Wirtschafts- und Naturraum, sondern auch als Ort der Erinnerung, der Gemeinschaft und der Erholung weitergedacht werden soll.


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