Der alte Bürgersaal Waldkatzenbach ist bald Geschichte, denn der Gemeinderat beschloss den Abbruch des alten Gebäudes, um einem Neubau Platz zu machen. (Foto: Hofherr)Waldbrunn.
Der Gemeinderat der Gemeinde Waldbrunn hat in seiner jüngsten September 2026 über ein umfangreiches Maßnahmenpaket beraten. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Markus Haas standen Investitionen in die kommunale Infrastruktur, den Denkmalschutz, die Modernisierung von Bürgerhäusern und die Digitalisierung der Verwaltung auf der Tagesordnung. Besonders ausführlich diskutierte das Gremium die Ausrichtung der Gemeindepolitik bei den Planungen für das Bürgerhaus Mülben sowie die Finanzierung und Trägerschaft des Sportprojekts in Strümpfelbrunn.
Bürgerfragestunde: Ortsdurchfahrt Oberdielbach
Zu Beginn der Sitzung fand die Bürgerfragestunde statt. Dabei ging es um die Ortsdurchfahrt Oberdielbach. Bürgermeister Markus Haas teilte mit, dass die Straßensperre am Tag nach der Sitzung abgebaut werde. Die Freigabe ist inzwischen erfolgt (wir berichteten).
Bürgerhaus Mülben und Ortsmitte: Sanierung und grundsätzliche Ausrichtung
Ausführlich diskutierte der Gemeinderat die geplante Sanierung und den Umbau des denkmalgeschützten Bürgerhauses im Ortsteil Mülben. Die Planung wurde von Leonhard Schmitt vom Büro Schmitt.Link vorgestellt. Das Gebäude wurde 1906 als Rat- und Schulhaus errichtet und soll weiterhin als Dorfgemeinschaftshaus und Vereinsdomizil genutzt werden. Geplant sind außerdem eine energetische Sanierung mit Dämmung der obersten Geschossdecke und ein barrierefreier Zugang.
Für das Projekt sind Fördermittel aus mehreren Programmen beantragt, ließen Bürgermeister Markus Haas und Kämmerer Joachim Gornik das Gremium wissen. Die Gesamtkostenschätzung beläuft sich auf knapp 1,4 Mio. Euro. Neben Geldern aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) ist vorgesehen, Mittel aus dem Gemeindeausgleichsstock zu beantragen. Hinzu kommen die KfW-Förderung „Klimafreundlicher Neubau Nichtwohngebäude – Kommunen“ sowie für die Energieberatung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), sodass die Verwaltung mit einem Gemeindeanteil in Höhe von 700.000 Euro rechnet.
Die Diskussion ging dabei über die baulichen Planungen hinaus. Im Mittelpunkt der längeren Diskussion stand die grundsätzliche Ausrichtung der Gemeindepolitik und die Frage, welche Schwerpunkte die Gemeinde bei ihren Investitionen und der Entwicklung ihrer Ortsteile setzen soll. Man ginge ständig neue, teure Projekte an wie den Winterhauch-Kinder-Campus, Bürgerhäuser in verschiedenen Ortsteilen, es gebe aber keine übergreifende Zielvereinbarung für die Legislaturperiode, kritisierte CDU-Gemeinderat Christian Steck.
Bürgermeister Markus Haas erwiderte, dass man die anderen Bürgerhäuser bereits saniert und modernisiert habe, weshalb man bei Mülben jetzt nicht aufhören könne. Wenn man in die Ortsteile blicke und die Nutzung durch verschiedene Gruppen, darunter den Schülerladen der Realschule Eberbach im Bürgerhaus Weisbach zeige, dass es gut investiertes Geld sei, wenn man die Sanierung auch in Mülben in Angriff nehme. Außerdem solle das Projekt auch mit Blick auf das anstehende Ortsjubiläum im Jahr 2028 realisiert werden.
Neben dem Bürgerhaus sollen zudem die vorgelagerte Ortsmitte mit Brunnenplatz, Sandsteinmauer und Kriegerdenkmal instand gesetzt werden. Für beide Maßnahmen müsse man bis zum 30. September 2026 einen Förderantrag mit dem Schwerpunkt Kommunal- und Wohnumfeldverbesserung stellen, weshalb jetzt entschieden werden müsse. Ein weiterer Zuwendungsantrag aus dem Gemeindeausgleichsstock ist für Februar 2027 geplant. Dann könne man Mitte 2027 mit dem Bau beginnen und die Fertigstellung für den Sommer 2028 in den Blick nehmen, heißt es in der Drucksache zum Tagesordnungspunkt. .
Bebauungsplan Hindenburgstraße: Bearbeitung von Einwendungen
Im zweiten Tagesordnungspunkt wurden die Anregungen zum Bebauungsplan Hindenburgstraße in Strümpfelbrunn durch Michelle Jendretzke vom Büro MVV Regioplan vorgestellt. Dabei wurden geringfügige Änderungen, insbesondere beim Lärmschutz vorgenommen und beschlossen. Die meisten anderen Vorschläge wurden nicht berücksichtigt.
Außerdem billigte das Gremium den Planentwurf und die Freigabe für die Offenlegung
und Behördenbeteiligung sowie der Beteiligung der Nachbarkommunen.
Bürgerhaus Waldkatzenbach: Auftragsvergabe für Abbruch- und Erdarbeiten
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Auftragsvergabe für den Neubau des Bürgerhauses in Waldkatzenbach (wir berichteten). Der Bauantrag war im April 2026 eingereicht worden; das Landratsamt hatte die Vollständigkeit der Unterlagen bestätigt. Auch die Denkmaleigenschaft des Altbaus wurde geprüft. Das Gebäude ist nicht als Kulturdenkmal eingestuft, sodass einem Abbruch aus denkmalrechtlicher Sicht nichts entgegensteht.
Für die anstehenden Abbruch- und Erdarbeiten waren im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung sechs Firmen zur Angebotsabgabe aufgefordert worden. Das wirtschaftlichste kam von der Leis Abbruch und Recycling GmbH aus Walldürn, die den Auftrag für 185.926,85 Euro erhielt.
Klärschlammentsorgung im Neckar-Odenwald-Kreis
Das interkommunale Vorhaben zur künftigen Klärschlammentsorgung und Phosphorrückgewinnung wurde im vierten Tagesordnung beschlossen. Waldbrunn beteiligt sich gemeinsam mit zehn weiteren Kommunen des Neckar-Odenwald-Kreises an einer Bündelausschreibung. Der Einwohnerwert der beteiligten Kommunen beträgt zusammen 134.170. Die Phosphorrückgewinnung wird ab 2029 durch die Klärschlammverordnung (AbfKlärV) gesetzlich vorgeschrieben.
Nach einem zweistufigen Verfahren mit Teilnahmewettbewerb und anschließender Angebotseinholung wurde aufgrund des deutlichen Preisabstands empfohlen, den Auftrag direkt an die REMONDIS Aqua Stoffstrom GmbH & Co. KG aus Mannheim zu vergeben. Die Entsorgung und Verbrennung des Klärschlamms soll in der MVV-Anlage in Mannheim erfolgen.
Für Waldbrunn würden sich die jährlichen Entsorgungskosten nach den vorgelegten Angaben von bisher durchschnittlich 141 Euro brutto je Tonne auf künftig 120 Euro brutto je Tonne entwässerten Klärschlamms reduzieren. Der Vertrag ist auf zehn Jahre ab dem 01. Januar 2027 angelegt. Der bestehende Entsorgungsvertrag war fristgerecht zum Jahresende gekündigt worden.
Padelplätze, LEADER-Förderung und Vereinsförderung
Ein weiterer Tagesordnungspunkt betraf die geplante Erweiterung des Sportangebots auf dem Gelände des TSV Strümpfelbrunn (Flurstück 1010). Vorgesehen sind zwei Padelplätze und eine kombinierte Schutz- und Grillhütte. Außerdem sollte die bereits vorhandene Beachvolleyballanlage und der Soccerplatz bauantraglich erweitert genehmigt werden.
Auch dieses Thema führte zu einer längeren Diskussion. Dabei ging es insbesondere darum, ob Mittel für die geplante Unterstützung aus allgemeinen Haushaltsmitteln bereitgestellt werden sollten. Als Argument wurde angeführt, dass auf diese Weise auch andere Vereine eine Vereinsförderung beantragen könnten. Zudem wurde klargestellt, dass die Padelplätze ein gewerbliches Projekt sind, die nicht vom Verein gebaut werden. Die Plätze sollen gegen Gebühr buchbar sein.
Für die kombinierte Schutz- und Grillhütte mit Gesamtkosten von rund 48.508 Euro brutto und zuwendungsfähigen Nettoausgaben von 40.763 Euro will sich der Verein um Fördermittel aus dem LEADER-Programm bewerben. Voraussetzung dafür ist ein kommunaler Finanzierungsanteil von zehn Prozent, entsprechend 4.076,30 Euro. Die Verwaltung empfahl, diesen Anteil im Rahmen des Bau- und Investitionskostenzuschusses für Vereine zu übernehmen. Der Gemeinderat folgte hier dem Vorschlag von CDU-Vertreter Timo Münch und bewilligte den Gemeindeanteil aus allgemeinen Haushaltsmitteln.
Digitalisierung: Einführung einer Waldbrunner Orts-App
Zur Modernisierung der Bürgerkommunikation befasste sich der Gemeinderat mit der Einführung einer kommunalen Orts-App der Firma apicodo. Die App soll für iOS und Android verfügbar sein und unter anderem einen Newsfeed, einen Veranstaltungskalender sowie Funktionen für Dokumenten- und Formularmanagement bieten.
In der Diskussion wurde außerdem darauf hingewiesen, dass die bestehende Gemeindehomepage bereits für die Nutzung auf Smartphones geeignet ist. Daher solle darauf geachtet werden, dass doppelte Strukturen vermieden werden und kein Parallelbetrieb mit ähnlichen Informations- und Serviceangeboten verursacht wird.
Die einmaligen Einrichtungskosten belaufen sich auf 2.500 Euro. Damit der in Aussicht gestellte Nachlass von 30 Prozent greifen, müssen sich 15 Kommunen im Landkreis beteiligen. Dann würden die Setupkosten auf 1.750 Euro sinken. Die laufenden Kosten betragen 175 Euro pro Monat. Der Gemeinderat folgte dem Verwaltungsvorschlag und erteilte den Auftrag.
Weitere Themen der Gemeinderatssitzung
Bei der Städtebauförderung für Oberdielbach ging es um eine Satzungsänderung zur Erweiterung des Sanierungsgebiets „Ortskern Oberdielbach“. Aufgenommen werden sollten zusätzliche förderfähige Flächen an den Gehwegen der Alten Waldkatzenbacher Straße und an der Brunnenstube Wiesental.
Für die Regulierung von Straßenschächten und Instandsetzungsarbeiten an Asphaltstraßen empfahl die Verwaltung, den Auftrag an die günstigste Bieterin, die Firma Beck aus Bad Rappenau, zu vergeben. Die Angebotssumme beträgt 10.042,44 Euro brutto. Das Gremium folgte dem Vorschlag.
Auf der Tagesordnung stand außerdem die Beratung und der Beschluss über die Auftragsvergabe zur Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans, dem das Gremium ebenso zustimmt, wie der Annahme eingegangener Spenden, die hauptsächlich für die 700-Jahr-Feier in Weisbach eingegangen waren.





