Stutenmilch gleich doppelt gefeiert

Viele Gäste waren nach Mülben gekommen, um das Doppeljubiläum zu feiern. (Foto: pm)

60 Jahre Stutenmilch – Zehn Jahre Stutenmilchwochen auf dem Kurgestüt Hoher Odenwald

Waldbrunn. 

Mutig und engagiert betrat der Tierarzt und Stutenmilchpionier Dr. Rudolf Storch mit der Gründung des Kurgestüts Hoher Odenwald vor 60 Jahren Neuland. Er war fasziniert von der Heilkraft der wertvollen Stutenmilch, die er in sowjetischer Gefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg selbst erlebte. Er machte seine Passion zur Lebensaufgabe.

Heute wird der Hof als Demeter-Betrieb von seinen Nachkommen erfolgreich als älteste und größte Stutenmilchfarm in Deutschland betrieben. In dieser Zeit haben sich die Produkte verändert und erweitert, nicht aber die herausragende Verarbeitung, so Storchs Enkelin Jette Zollmann.

Jette Zollmann wurde vom Familienrat zur Geschäftsführerin des Betriebs bestimmt und gehört als solche maßgeblich zu den Mitbegründern der Waldbrunner Stutenmilchwochen, die seit zehn Jahren immer im Frühling nicht nur auf dem Gestüt, sondern in ganz Waldbrunn gefeiert werden.

Das Doppel-Jubiläum beging man interkulturell, da die Ursprünge der Stutenmilchverarbeitung in Zentralasien liegen. Zur Eröffnung des Jubiläumsjahrs folgten Vertreter aus Politik, Kommune, Kultur und Wirtschaft der Einladung der Geschäftsführung um bei einem kasachischen Mahl mit Plov, Beschbarmak, Salat und Fleischspießen zu feiern und die Stutenmilchwochen zu eröffnen.

Beim Rundgang über das Gestüt versammelte man sich vor der Feier bei der hofeigenen, traditionellen Jurte, in der die Ausstellung „60-Jahre Stutenmilch in Deutschland“ untergebracht ist. Landrat Dr. Achim Brötel versäumte die Teilnahme ebenso wenig wie MdB Alois Gerig. Waldbrunns Ehrenbürger Gerd Mosca und Bürgermeister Markus Haas waren ebenfalls gerne gekommen, um mit Familie Zollmann und zahlreichen Gästen zu feiern.

Gemeindeoberhaupt Haas war es dann auch, der die Stutenmilchwochen als Mitveranstalter offiziell eröffnet. Generalkonsulats Kadyr Kassabulatov (Kasachstan) honorierte in seiner Rede die herausragende Leistung der Familien Storch/Zollmann für das kasachische Kulturgetränk Kimis (fermentierte Milch). Auf der Dombra, einem zentralasiatischen Zupfinstrument, spielte der Theater-Regisseur Bolat Atabajew traditionelle Volkslieder. Steffi Müller und Hardwig Gubbe bereicherten den Abend mit Mundart-Musik.

Beim Kimis-Frühlingsfest wurde das erste Wochenende der Stutenmilchwochen ausgiebig gefeiert. Am darauffolgenden Wochenende standen etliche Veranstaltungspunkte auf dem Programm. Mit dem Muttertags-Frühstück mit Produkten aus der Region durften die Gäste den Tag im beheizten Zelt beginnen. Später standen Kutschfahrten, Hofführungen, eine Vogelstimmenwanderung der NABU-Gruppen Eberbach und Waldbrunn sowie ein Ernährungsvortrag auf dem abwechslungsreichen Programm. Beim Ortsteilrundgang durch Mülben erfuhren die Teilnehmer vom Geowissenschaftler Dr. Bernd Strey warum der Ortsteil auch als kleine Schweiz bekannt ist. Am Ende des Spaziergangs durch Mülben, durften die gut 50 Teilnehmer die Schweiz sogar hören, den Referent Dr. Strey packte auf der Naturbühne im Kurpark sein Alphorn aus und brachte so Alpenklänge in den Odenwald.

Zum Abschluss der Stutenmilchwochen waren auf dem Gestüt noch Stutenmilch-Crêpes, Kimis und Bio-Bratwürste auf der Speisekarte. Auch die hiesigen Bäcker und Gastronomen beteiligten sich wieder an den Waldbrunner Stutenmilchwochen, sodass die Winterhauch-Gemeinde ein gelungenes Jubiläum feiern durfte, auf die im Herbst die Waldbrunner Mostwochen folgen. Auch dann werden wieder Ökologie und Ökonomie eine nachhaltige Partnerschaft eingehen.

Das Kurgestüt Hoher Odenwald ist einer der größten Demeter-Betriebe in Baden-Württemberg. (Foto: pm)


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