30 Interessierte bei Ortsspaziergang

(Foto: Hofherr)

Dritte Bürgerbeteiligung zum Gemeindeentwicklungskonzept

Oberdielbach. (mh) Auch die dritte Bürgerbeteiligung zum Gemeindeentwicklungskonzept (GEK) war für die Waldbrunnerinnen und Waldbrunner eine weitere bedeutende Gelegenheit, aktiv an der Gestaltung der Gemeinde mitzuwirken. Rund 30 Interessierte schlossen sich dem Ortsspaziergang aus städtebaulicher Sicht an, zu dem Bürgermeister Markus Haas, Ines Breiding von IFK-Ingenieure aus Mosbach und Steffen Moninger von der Landsiedlung Baden-Württemberg eingeladen hatten.
Startpunkt war der Netto-Parkplatz, in dessen direkter Nachbarschaft mit dem stillgelegten ZG-Gebäude-Komplex das erste planungswürdige Objekt angrenzt.

Rund 6.000 m² stünden hier von dem insgesamt 1,2 Hektar großen Gelände für eine Bebauung zur Verfügung, wie Bürgermeister Haas erklärte. Steffen Monninger zeigte sich vom riesigen Potential des Geländes direkt am Bach gelegen begeistert. Nach Abbruch der alten Gebäude wäre hier die Schaffung von Wohnraum mit Zwei-, Drei-Zimmer-Wohnungen für Singles, ältere Menschen, junge Paare oder auch Räumlichkeiten für weitere Facharztpraxen denkbar. Die Ausgestaltung dieser baulichen Maßnahme eröffne viele zukunftsweisende Möglichkeiten, so fehle Oberdielbach beispielsweise ein echter Dorfmittelpunkt mit Aufenthaltsqualität.

Ergänzend könne man durch die Ansiedelung von ortsverträglichem Gewerbe wie beispielsweise einem Café mit Freisitz, durch die Renaturierung des Holderbachs, den Bau von Kinder- und Jugendlichen-Freizeitgeräten, sowie das Aufstellen von Tischgruppen und anderen Ausstattungselementen einen attraktiven Dorftreffpunkt gestalten. An einem solchen Platz kämen die Generationen zusammen, so Monninger.

Ines Breiding erinnerte daran, dass man bei der Entwicklung der Gemeinde auch die Mobilität betrachten und den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs im Fokus haben müsse. Die alten Dorfkerne seien nicht darauf ausgelegt, zwei bis drei Autos pro Familie im beengten Wohnumfeld aufzunehmen. Es müsse infrastrukturelle Anreize dafür geben, das Auto auch mal stehen lassen zu können.

Bürgermeister Haas regte daraufhin den Ausbau und Zusammenschluss des Wiesentalfuß- und Radweges zum Brandweiher und weiter zum neuen Dorftreffpunkt oder sogar bis zur Katzenbuckel-Therme an. Der Brandweiher böte sich dabei als Zwischenstation mit Sitzgelegenheit und Anlage einer Straßenquerung an.
Unterwegs auf Dielbachs Straßen ging es zunächst entlang der Hauptstraße in Richtung Brandweiher und Kreuzung L524/L634. Dabei wurde auch sofort klar, dass der Bau eines sicheren Fußweges für das „Straßendorf“ wünschenswert wäre. Es gäbe genügend Platz für den nicht unerheblichen Durchgangsverkehr, aber wenig Platz für Fußgänger, so die einhellige Meinung. Überhaupt fühle man sich durch den starken Verkehr bedrängt, vom Lärm belästigt und bei der Querung der Straße behindert. Besonders direkte Anwohner teilen diese Einschätzung.

Am Kreuzungsbereich der beiden Landstraßen angekommen, wurden die Möglichkeiten einer Verkehrsberuhigung eruiert.
Bei der lt. Monninger riesig dimensionierten Kreuzung wäre der Bau eines Verkehrskreisels als wichtiger Knotenpunkt mit Anbindung an den ÖPNV denkbar. Der barrierefreie Ausbau der Bushaltestellen, ein Pendlerparkplatz auf dem angrenzenden Gemeindegrundstück sowie eine vernünftige Straßenquerung wären an dieser Stelle zielführend. Aufgrund der ansteigenden Straßen im Bereich der Kreuzung äußerten Anwohner funktionale Bedenken beim Ausbau eines Kreisels. LKWs müssten anhalten und geräuschvoll wieder anfahren.

Ines Breiding betonte hingegen die für einen Kreisverkehr hier günstig ausgerichteten Landesstraßen im Kreuzungsbereich und verwies auf eine insgesamt gute Übersicht in einer solchen Anlage, die das zügige Durchfahren des Kreisels ermögliche. Ziel sei schließlich das Abbremsen der Fahrgeschwindigkeit in der Ortsdurchfahrt, was durch den Kreisel erreicht werden könne. Auch das Anpflanzen von Straßenbäumen könne die Sicht in der geradlinigen OD von A nach Z einschränken und somit zum Langsamerfahren animieren. Wichtig für eine Entschleunigung sei es, mit Grünpflanzungen Kreuzung und Straße optisch zu schmälern und damit gewollte Sichtbarrieren zu schaffen.

Beim Kindergarten Oberdielbach erinnerte Moninger daran, dass man brachliegendes Gelände als Entwicklungsraum, auch wenn es derzeit nicht zum Verkauf stehe, immer im Blick haben solle. Das dem Kindergarten gegenüberliegende Gelände sei für unterschiedliche Projektideen wie ein Jugendhaus, einen Platz für Dorffeste, den Neubau eines Feuerwehrhauses oder weitere Kindergartenparkplätze geeignet. Durch bauliche Nachverdichtung könne an dieser Stelle zur Aufwertung der Situation eine wichtige Raumkante gesetzt werden. Die desolate Brache so nah am Ortseingang sei ein schlechtes Aushängeschild für den Ort.

Im idyllischen Wiesental angekommen, konnte die Gruppe den Fuß- und Radweg in Augenschein nehmen und zeigte sich überzeugt vom Ausbau dieser sinnvollen Alternativroute durchs Dorf. Hier stellte man enormes Potential zur Umsetzung infrastruktureller Entwicklungsziele fest. Der Ökologische Aspekt kann hier gut einbezogen werden.
Zurück am Startpunkt ging der Blick noch einmal Richtung Ortseingang aus Strümpfelbrunn kommend und dem dortigen historischen Dorfbrunnen, wo idealerweise im Rahmen der Städtebauförderung eine nötige Sanierung untergebracht werden könne.

Abschließend fasste Moninger die beim Spaziergang gewonnen Erkenntnisse zusammen und stellte fest, dass der angestrebte Förderschwerpunkt für Waldbrunn wegen der Maßnahmendichte in Oberdielbach liegen müssen. Das große innerörtliche ZG-Areal, die Dringlichkeit der Verkehrsberuhigung mit Eindämmung der Gefahrenquellen, der fehlende Dorfmittelpunkt sowie der Ausbau des Fuß- und Radweges erhöhten die Chancen auf Aufnahme in das oft vielfach überzeichnete Städtebauförderprogramm. Gleichzeit räumte er aber ein, dass eine Aufnahme in das Programm auf Anhieb nicht gleich garantiert sei, auch wenn die Chancen gutstünden.
Auch Bürgermeister Hass wies darauf hin, dass für manche Ideen Investoren nötig seien. Hinsichtlich des langen Zeitkorridors von rund 10 Jahren, zeigte er sich dahingehend aber zuversichtlich.

Nach Abschluss der Bürgerbeteiligung wird nun in der heutigen Gemeinderatssitzung den Räten der durch Bürgerbeteiligung erarbeitete Maßnahmenkatalog erläutert. Er bildet die Grundlage des Gemeindeentwicklungskonzeptes (GEK), welches von Frau Breiding in einem kreativen Prozess entwickelt werden wird. Durch Priorisierung der Einzelmaßnahmen legen die Räte die Dringlichkeit der Projektideen aus ihrer Sicht fest und beschließen somit den Inhalt des Waldbrunner Gemeindeentwicklungskonzeptes.
Mit dem GEK wird die Ermittlung der Projektkosten, die Erarbeitung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) und die Antragsstellung Waldbrunns auf Aufnahme in das Städtebauförderprogramm vorbereitet.

Steffen Moninger von der Landsiedlung Baden-Württemberg wird den Antrag bis Oktober 2024 ausarbeiten. Wenn alles glatt läuft, könnte es 2025 mit der Umsetzung der Maßnahmen losgehen, so der Stadtentwicklungsplaner.
Das Gemeindeoberhaupt bedankte sich abschließend bei allen Akteuren und bei der Bürgerschaft für das große Interesse. Es sei wichtig, verschiedene Meinungen zu berücksichtigen und eine breite Perspektive einzunehmen, besonders wenn es um komplexe Themen wie die Dorfentwicklung gehe.

Jeder hat seine eigenen Erfahrungen, Perspektiven und Ideen, die wertvoll seien und dazu beitragen können, bessere Lösungen zu finden. Die Vielfalt der Meinungen fördere den Dialog und ermögliche es, unterschiedliche Aspekte zu beleuchten, um fundierte Entscheidungen zu treffen, so Haas abschließend.