100 Jahre Evangelische Kirche Strümpfelbrunn

Strümpfelbrunn. Obwohl der I. Weltkrieg tobte, der auch in den Dörfern des Winterhauchs zu spüren war und seinen Blutzoll forderte, machten sich die evangelischen evangelischen Christen in Strümpfelbrunn an das Wagnis, eine neue Kirche zu bauen. Doch die Geschichte der evangelischen Gemeinde(n) rund um den Katzenbuckel reichte länger zurück, und auch die in diesem Jahr ihr 100-jährige Jubiläum erlebende Pfarrkirche am Ortsrand, hatte einen Vorgängerbau, mit deren Bau im Jahr 1746 begonnen worden war. Nachdem jedoch die katholische Kirche umgebaut und erweitert wurde, wuchs bei den evangelischen Gläubigen das Bedürfnis, die kleine bestehende Kirche, durch einen Neubau zu ersetzen. Schriftlich festgehalten ist dieser Wunsch bereits im Jahr 1880. Doch zunächst wurde nur eine kostspielige Renovierung vorgenommen, die im Jahr 1893 vollendet wurde. Dennoch war das alte Gotteshaus im Vergleich zur bedeutend größeren, katholischen Kirche nicht repräsentativ genug, weshalb man die Neubaupläne weiter vorantrieb. Doch war man sich zunächst uneins, wo ein solcher Bau stehen soll. So wurde eine Ortsrandlage bevorzugt, um näher an Weisbach zu liegen, wo es im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts noch kein eigenen Gebetsräume gab, weshalb die Gläubigen, ebenso wie die Mülbener von Strümpfelbrunn aus betreut wurden, was bis heute so geblieben ist. Allerdings wollten die Strümpfelbrunner eine neue Kirche lieber in der Ortsmitte ansiedeln.



Aber nicht nur die Gemeinde auf dem Winterhauch sahen die Notwendigkeit einer neuen Kirche, auch vonseiten der Evangelischen Kirchenbauinspektion wurde ein Neubau für erforderlich gehalten, weshalb deren Leiter Hermann Behagel eine erste Skizze vorlegte, die jedoch auf Ablehnung stieß, seien doch die Bedürfnisse der Landbevölkerung nicht berücksichtigt worden. Emil Döring legte im Dezember 1913 einen neuen Plan vor, der auf allgemeine Zustimmung stieß. Hier war der heute noch zu sehende Zusammenbau von Kirche und Pfarrhaus bereits vorgestellt worden.

Nachdem im März 1914 der endgültige Plan vorlag und diverse Maßnahmen zur Kosteneinsparung vorgenommen worden waren, so verzichtete man auf eine Turmuhr, begannen im April des Jahres die Bauarbeiten. Da auch bei den Fenstern gespart worden war, stiftete der Großherzog von Baden ein einziges buntes Fenster. Da im August 1914 der Weltkrieg begann, ruhten die Arbeiten zunächst für einige Wochen, wurden dann aber trotz Materialmangels wieder aufgenommen. Man verzichtete aber auf eine feierliche Geunsteinlegung. Bereits im darauffolgenden Jahr 1915 konnte das Pfarrhaus bezogen werden. Noch ein Jahr später, im September 1916, war die Kirche mit Ausnahme der Orgel und der Glocken – beides folgte im Frühjahr 1917 – fertiggestellt. Aufgrund des andauernden Kriegs verzichtete man auch auf eine feierliche Einweihung. Stattdessen wurde das Gotteshaus am 25. März 1917 ihm Rahmen einer schlichten Feier eingeweiht.

KP 100 Jahre Kirchen Theater

Eine Laienspielgruppe sorgte für Begeisterung. (Foto: Hofherr)

Allerdings machten sich schon bald Baumängel bemerkbar, weshalb schon 1920 weitere Arbeiten notwendig wurden. 1958 erhielt die Kirche einen neuen Außenputz, auch der Innenraum wurde in diesem Jahr renoviert. 1961 wurden die Glocken erneuert bzw. um einer vierte ergänzte. Weitere Maßnahmen datieren aus den Jahren 1978 bis 1995. Nach einer beispiellosen Spendenaktion wurden 80.000 Euro gesammelt, mit denen neue Glocken finanziert wurden, die am 04. Oktober 2009 geweiht wurden.

Das 100-jährige Jubiläum der Kirche wurde mit einem besonderen Gemeindefest gefeiert. Nachdem samstags zunächst ein Familiennachmittag auf dem Programm stand, wurde es abends bei der Krimikomödie „Mord – streng biologisch“ von Christiane Steinwasser spannend. Aber auch die Lachmuskeln wurden strapaziert, als Pfarrer Jonathan Richter, Dirigent Alexander Lenz, Annette Mayerhöfer, Rainer Sigmund, Manuela Sigmund, Andreas Steck, Ursula Zwickl, Vera Scheithauer, Birgit Thompson und Silke Steck auf der Bühne standen und den Mörder der Bürgermeistergattin suchten. Mit herzlichem Beifall wurden die Laienspieler für ihre Leistung gefeiert.

Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten war der Festgottesdienst am Sonntagvormittag. Hierzu konnte Gemeindepfarrer Jonathan Richter eine Reihe von Ehrengäste, darunter Prinz Ludwig und Prinzessin Marianne von Baden Dekan Folkhard Krall sowie Bürgermeister Markus Haas, willkommen heißen.   Die Festpredigt hielt Oberkirchenrat i. R. Gerhard Vicktor, der schon im Jahr 2009 die Glockenweihe in der Jubiläumskirche vorgenommen hatte. In seiner Predigt lobte er das Engagement und den Einsatz der Menschen vor 100 Jahren, die trotz Krieg und der damit verbundenen Schwierigkeiten ein Gotteshaus errichtet und damit einen Ort geschaffen hatten, an dem Menschen bis heute mit ihren Sorgen und Nöten vor Gott kommen können, um Trost und Kraft zu erbitten. Für die musikalische Gestaltung des Gottesdienst waren der Kirchenchor, der Singkreis sowie der Posaunenchor verantwortlich.

Eine Bilderausstellung aus Kirche und Gemeindeleben rundeten das Jubiläum ab.

 KP 100 Jahre Kirchen Gottesdienst

Festgottesdienst mit Chor und Singkreis. (Foto: Glaser)


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