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Größte Tiefbaumaßnahme der Geschichte begonnen

Mit Baggerschaufel und Spaten begann die Sanierung der Tal- und der Rohlederstraße in Schollbrunn mit Tino Schappacher (8.v.li.) vom Regierungspräsidium und Bürgermeister Markus Haas (9.v.li). Beide ließen sich anschließend den sogenannten Baggerbiss nicht nehmen. (Foto: Hofherr)

Mit Baggerschaufel und Spaten vollzogen Tino Schappacher vom Regierungspräsidium Karlsruhe und Waldbrunns Bürgermeister Markus Haas den offiziellen Spatenstich bei der größten Straßenbaumaßnahme in der Geschichte der Winterhauchgemeinde. Mit 5,2 Millionen Euro ist die Maßnahme gleichzeitig die größte Einzelvergabe, die jemals den Gemeinderat passiert hat. Aufmerksame Verfolger der Kommunalpolitik ist spätestens jetzt klar, dass es um die Sanierung der Tal- und Rohlederstraße im Ortsteil Schollbrunn geht.

Zum offiziellen Spatenstich morgen neben den beiden bereits genannten Anwesenden auch Ortsvorsteher Alexander Helm, Ortschaft und Gemeinderäte sowie Geschäftsführer Christopher Lauber von der Firma HLT, Dieter Rögner als Vertreter des Landratsamts, Horst Rieß vom Ingenieurbüro Sack und Partner sowie zahlreiche Anwohner gekommen, um dem Ereignis beizuwohnen. Bis Ende 2021 werden die Anwohner nur mit einer Baustelle leben müssen.

Bevor der erste Spatenstich bzw. Baggerbiss vollzogen wurde, ließ Bürgermeister Haas in einer kurzen Ansprache die wichtigsten Punkte der Maßnahme Revue passieren. Erstmals hatte man im Jahr 2014 die Kanäle der Abwasserbeseitigung überprüft und dann 50.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Diese Planungen waren überholt, als am 28. Mai 2016 ein Unwetter über Schollbrunn niederging, das Schäden an Wohnbebauung und Infrastruktur sowie beweglichen Sachen in Millionenhöhe verursacht hat.

Schnell war klar, dass die Sanierung der massiv beschädigten Talstraße nicht ohne Aufdimensionierung des Abwasser- bzw. Regenwasserkanals möglich ist. Außerdem musste man die Situation in der Gemeinde Neckargerach berücksichtigen, die von Wasser aus Schollbrunn ebenfalls enorm betroffen war. Noch heute haben Anwohner die Bilder schwimmender Autos vor Augen und bangen bei jedem stärkeren Regen.

Daher wurde ein Regenwasserkanal sowie ein Regenbecken mit einem Volumen von knapp 600 Kubikmeter vorgesehen, ließ Tino Schappacher die Anwesenden wissen. Er haben die KATZENPFAD-Videos und -Fotos gesehen, die ihn sehr beeindruckt hätten. Auch deshalb sei er nach Schollbrunn gekommen, um beim offiziellen Spatenstich dabei zu sein. Alleine für die Baumaßnahmen zur Abwasserbeseitigung müsse die Gemeinde 3,3 Mio. Euro investieren. Davon habe das Land Baden-Württemberg jedoch den Löwenanteil in Höhe von 2,4 Mio. Euro (74 Prozent) übernommen.

Ohne diese Förderung sei es der Gemeinde nicht möglich gewesen, die Sanierung anzugehen. Denn neben den Kosten für die Abwasserbeseitigung müsse man auch die Straßenbaumaßnahmen mit weiteren knapp 2 Mio. Euro schultern, so Bürgermeister Haas zum Fördersatz. Hierfür erhalte man aus Mitteln für die „Entwicklung des Ländlichen Raums“ (ELR) weitere 358.000 Euro, berichtete das Gemeindeoberhaupt. Hier war die Unterstützung von Minister Peter Hauk sehr hilfreich, der am Tag nach der Regenkatastrophe vor Ort war und sich von der Dringlichkeit der Investitionen überzeugte hatte, dankte Haas dem Landespolitiker. Die 74-prozentige Förderung aus dem Topf der Abwasserwirtschaft sei der höchste Fördersatz, den die Gemeinde Waldbrunn jemals erhalten habe, wusste der Bürgermeister weiter zu berichten.

Außerdem skizzierte er kurz den Ablauf von 2014 bis zum Spatenstich. Nach den ersten Überlegungen, die wie bereits erwähnt aus dem Jahr 2014 datieren, wurden 2015 die genannten 50.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Diese Überlegungen wurden dann vom Starkregen im wahrsten Wortsinne von dannen gespült. Nach der Sichtung der Schäden und der Unterstützung der Bevölkerung fanden im darauffolgenden Juli erste Planungsgespräche statt. Im Oktober 2016 schloss man sich dem Anliegen der Gemeinde Neckargerach an, eine Flussgebietsuntersuchung zu beauftragen. Ein bereits gestellter ELR-Antrag wurde daher zurückgezogen. Aufgrund der enormen Kosten, wollte der Gemeinderat in einer (leider) nicht-öffentlichen Klausursitzung über die Maßnahme Sanierung Talstraße/Rohlederstraße diskutieren, weshalb sich Ausschreibung und Ausführung weiter verzögerten. Im März 2017 wurde dann noch ein „Allgemeiner Kanalisationsplan“ (AKP) erstellt und die Siedlungsentwässerung geklärt. Im Mai 2017 wurde die Flussgebietsuntersuchung beauftragt, die im März 2018 dem Gemeinderat und den Bürgern präsentiert wurde. Bis dahin Gespräche mit dem Regierungspräsidium sowie dem Landratsamt statt. Am 19. März 2018 beschloss der Gemeinderat die Ausführungsplanung zu beauftragen und das Genehmigungsverfahren einzuleiten. Im Juni 2018 stellte man einen neuen ELR-Antrag, für den man bereits im Juli den bereits genannten Zuwendungsbescheid in Höhe von 358.000 Euro erhielt. Nachdem dann im September der Zuwendungsbescheid der Abwasserwirtschaft eingegangen war, stand der Ausschreibung und Auftragsvergabe am 15. Oktober 2018 an die Firma HLT aus Neckargerach nichts mehr entgegen.

Abschließend ließ Bürgermeister Markus Haas die Anwesenden wissen, dass die Baumaßnahme voraussichtlich bis Ende 2021 abgeschlossen sein wird. Er bat die Anwohner um Verständnis für die bauausführenden Mitarbeiter und wünschte einen fristgerechten und unfallfreien Verlauf. Mit dem Dank an Tino Schappacher für die Unterstützung und an Bernward Stiller, der als Anwohner seine Garage für einen Umtrunk bereit stellte, schloss Haas seine Ansprache.

Nachdem auch Tino Schappacher sein Grußwort beendet hatte, schritten die Anwesenden mit Baggerschaufel und Spaten zur Tat.

Fotoserie zum Artikel – Fotos: Hofherr

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